Körpersprache besser verstehen II –Überzeugende Rhetorik und Glaubwürdigkeit aus Authentizität und der richtigen inneren Haltung in Vorträgen und Präsentationen

Authentizität

“Authentizität entsteht durch Kongruenz.” Wenn Sie jemals diesen Satz hören, ist Vorsicht geboten. Obwohl er vollkommen richtig ist. Doch wenn er nicht sofort in verstehbare Sprache übersetzt wird, sind wir auf dem Gebiet der falsch verstandenen Rhetorik. Machen Sie sich bei Vorträgen aller Art klar: Es schadet uns nicht, wenn uns die Zuhörer verstehen. Wenn jemand sich darum nicht bemüht, sondern sich in Fremdwörtern ergeht, ist er/sie entweder verbildet, unsicher oder versucht sich aufzuplustern.

Authentizität entsteht durch Kongruenz, oder: Echtheit und Glaubwürdigkeit entstehen, wenn Sprache und Körpersprache zusammenpassen. Ich habe in einem früheren Artikel bereits angeregt,  Körpersprache unter dem Blickwinkel der Wirkung zu betrachten, nicht wie so häufig unter dem Blickwinkel der Bedeutung. Doch warum geht es nicht darum, sich nonverbal „richtig“ zu verhalten, sondern darum, wie man auf andere wirkt?

Menschen spüren, ob ein Redner wahrhaftig ist oder nicht. Sie spüren, ob er es ernst meint und tatsächlich von seiner Sache überzeugt ist oder nicht.

Wenn ich ein Rhetorikseminar leite und sage, ich sei aus dem Theater, wird oft die Hoffnung an mich herangetragen, ich solle meinen Teilnehmer beibringen, echt und überzeugend zu wirken, auch wenn sie es gar nicht seien. Dahinter steht die Überzeugung, Schauspieler seien die besseren Lügner. Lassen Sie mich diesen Mythos zerschlagen. Die guten Schauspieler, die ich kenne, suchen auf der Bühne nach Wahrhaftigkeit, nicht nach dem gelungenen Als-ob.

Was soll “wahrhaftig” heißen?

Wahrhaftigkeit

Soll Wahrhaftigkeit eines Schauspielers etwa heißen, jeder Mörder auf der Bühne ist auch ein Mörder im Leben? Nein, das heißt es nicht. Wahrhaftigkeit bedeutet, dass ein Schauspieler sehr lange und sehr hart daran arbeitet, sich in eine fremde Person und in eine fremde Rolle hinein zu versetzen. Er sucht so lange über verschiedene Wege nach eigener Erfahrung oder Inspiration, um zu verstehen, was die von ihm verkörperte Person tut und warum sie es tut. Mit Hilfe des Regisseurs arbeitet der Schauspieler so lange daran, bis es “echt” wirkt. Wenn Sie einem Schauspieler glauben, dass die von ihm verkörperte Person das tut, was sie gerade tut und wie sie es tut, dann war die Auseinandersetzung in der Arbeit intensiv und tief genug.

Wenn nun Teilnehmer in Seminaren auf mich zukommen mit der Hoffnung, glaubhaft etwas sein zu können, was sie nicht sind, weise ich sie auf die enorme Arbeit hin, die Schauspieler leisten. Wollen Sie sieben Wochen morgens und abends an Ihrer Präsentation arbeiten? Ich glaube, dazu ist schon rein zeitlich kaum jemand in der Lage.

Es muss also einen anderen Weg geben. Und den gibt es auch.

Der Schlüssel ist die “innere Haltung”. Sie werden nicht überzeugen können, wenn Sie mit dem Gedanken vor andere treten: “Ich kann das nicht. Sie werden mich auslachen.” Kaum ein Zuhörer wird Ihren Gedanken genau so entschlüsseln, denn nonverbale Signale sind (s.a. Körpersprache besser verstehen I) nicht eindeutig. Doch sie werden merken, dass etwas nicht stimmt. Zuhörer sind Menschen, daher wird jeder die Signale in seiner Weise deuten. Manche werden denken: “Der  mag uns nicht.” Manche werden denken: “Der hat keine Ahnung.” Manche werden vielleicht sogar denken: “Der weiß alles, deshalb ist er so arrogant.”

Doch was auch immer die Leute denken, sie werden spüren, dass da etwas nicht zusammen passt. Nun heißt das aber nicht, dass es keine Chance gäbe, wenn Sie zum Beispiel anfangs sehr aufgeregt sind. Echt-sein richtet sich danach, ob es passend ist zur Situation. Ist das Verhalten der Situation angemessen? Und so gut wie jeder Zuhörer verzeiht anfangs Aufregung. Es ist der Situation angemessen.

Alles, was zu Ihrem Vortrag gehört – vom Lampenfieber bis zum Kerngedanken – fördert Ihre Glaubwürdigkeit. Alle anderen Gedanken transportieren sich nonverbal als irritierende Signale zu Ihren Zuhörern.

Üben Sie also keine Gesten, Hand- und Kopfhaltungen ein.

Arbeiten Sie in Ihrer inneren Haltung.

(Übung) Beginnen Sie heute damit, sich auf Redesituationen vor Gruppen zu freuen. Machen Sie sich klar: Das ist der Moment, in dem die Aufmerksamkeit Ihnen gilt. Hier können Sie  einen Gedanken entwickeln. Das ist etwas sehr Angenehmes, denn man hört Ihnen zu. Beginnen Sie heute damit zu üben, dass Sie daran glauben, es sei angenehm, die volle Aufmerksamkeit zu haben. Machen Sie sich Ihr fachliches Wissen klar, das Sie in Ihrem Vortrag benutzen werden – und glauben Sie auch daran. Üben Sie, die Redesituation mit Realismus zu sehen als das was sie ist: Eine Chance. Kein Spiel auf Leben und Tod, sondern die Möglichkeit, Ihren Zuhörern etwas zu geben.

So entsteht Schritt für Schritt und mit der Übung eine innere Ruhe, die Sie schließlich als diejenige Person erscheinen lässt, die Sie auch tatsächlich sind. Kein Abziehbild, kein Imitat eines Anderen, sondern Sie – das ist das Ziel.

 

 

Mehr erfahren Sie in unseren Seminaren.

Am 6. November 2012 startet der nächste “Redekurs intensiv”.

Bald erscheinen hier weitere Artikel zum Themen Rhetorik, Körpersprache und den Anforderungen in verschiedenen Redesituationen. Aus denen erfahren Sie, wie Sie diese in den Griff kriegen und wie Sie die Schritte dahin üben können.

 

Peter Lüder, Regisseur und Rhetoriktrainer

Peter Lüder, Regisseur und Rhetoriktrainer

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